Ehe und Dienst

Ehe und Dienst

Ehe und vollzeitlicher Dienst

von Reinhold Weiler

Gemeinde(gründungs)arbeit im voll- oder auch teilzeitlichen Dienst bringt besondere Herausforderungen mit sich: Es gibt keine klaren Dienstzeiten, oft ist viel zu tun, man könnte also fast rund um die Uhr arbeiten, es kann Überraschungen geben, deren Bearbeitung Zeit erfordert, viele Termine finden abends oder an Wochenenden statt, um nur einige der speziellen Herausforderungen zu nennen. Hinzu kommen bei Manchem noch die knappen finanziellen Ressourcen – auch das kann belasten.

Welche Auswirkungen können diese Herausforderungen auf die Ehe von teil- oder vollzeitlich im Gemeindedienst Stehende haben? Oder besser: Wie kann damit umgegangen werden, ohne dass eine Beziehung (stark) darunter leidet?

Meines Erachtens beginnt die Antwort bereits vor dem eigentlichen Dienst: Es scheint mir absolut wichtig, dass bei Ehepartner ein ganzes Ja zum Gemeindedienst haben. Das schafft eine gute Basis.

Ein Zweites sind die Prioritäten: Auch bei hohem Arbeitsanfall, hoher emotionaler und zeitlicher Belastung darf die Beziehung nicht leiden – zumindest nicht auf Dauer. Das scheint mir leichter gesagt als umgesetzt. Wichtig ist es sicher, dabei auf (kleine) Signale zu achten: Wo kommt meine Frau zu kurz, wo kann ich auftanken, wie viel Zeit brauchen wir für uns als Paar. Und dann rechtzeitig zu überlegen, wie damit umgegangen werden kann, wo also Zeiträume für die traute Zweisamkeit geschaffen werden können und wie diese sinnvoller weise gefüllt werden, um beiden Partnern gerecht zu werden.

Drittens: Beziehungen brauchen Pflege. Es ist nicht nur der zeitliche Faktor. Wir müssen wissen, wie unsere Ehefrau „tickt“, welche „Sprache der Liebe“ sie versteht, was sie braucht und was sie besonders freut. Ob es eher die kleinen Überraschungen sind, das Ohr, das ich ihr leihe, der gemeinsame Ausflug übers Wochenende. Das kann sich auch ändern je nach Lebensphase. Gut ist es, sich darüber Gedanken zu machen und solche Dinge zum Gesprächsthema zu machen. Sehr hilfreich kann dabei die gemeinsame Teilnahme an einem Kurs oder einer Freizeit für Ehepaare sein.

Übrigens gilt das auch umgekehrt: Meine Frau muss wissen, was ich brauche, zum Beispiel nach einem Gottesdienst, in dem ich gepredigt und anschließen viele Gespräche geführt habe. Dann kann sie mein Verhalten einordnen – mein Bedürfnis nach Ruhe ist keine ablehnende Haltung ihr gegenüber.

Als Gemeindegründer, Teamleiter, Pastoren sind wir immer auch Vorbild. Auch aus diesem Grund scheint es mir wichtig, der eigenen Partnerschaft eine hohe Priorität einzuräumen.

Fazit: Es ist absolut gut, für Gott und sein Reich zu arbeiten – besonders im teil- oder vollzeitlichen Dienst. Das bringt aber besondere Herausforderungen mit sich. Sich darüber klar zu werden, welche Auswirkungen sie auf unsere Beziehung haben und wie wir ihnen begegnen können muss zwingend Gegenstand unserer (gemeinsamen) Reflektion sein. Das wird sich lohnen – für mich (Paulus: Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst in Eph. 5, 28), für meine Frau, für unsere Ehe und ganz sicher auch für unseren Dienst.

Beitrag von Reinhold Weiler, Vorstandsmitglied von Antiochia Teams und stellvertretender Leiter im Haus Spalen in Basel (http://haus-spalen.ch/)

Von | 2017-09-21T12:23:55+00:00 07.08.2017|Hilfe zur Gemeindegründung|