Gedanken zu Weihnachten

//Gedanken zu Weihnachten

Gedanken zu Weihnachten

»Süßer die Glocken nie klingen« – dieses Lied ist für mich der Inbegriff des Advent- und Weihnachtshorrors.

Zur süßlichen Melodie tritt ein Text, in dem das Christkindlein, diese Märchengestalt, die mit dem biblischen Jesus nichts gemein hat, sich vom Himmel herabschwingt. Da stelle ich mir einen bedauernswerten Weihnachtsmarktgänger vor, umgeben von Tannengrün, die Gehirnwindungen leicht benebelt vom Glühwein, der Magen flau vom durchprobieren an den verschiedenen Verpflegungsbuden, müden Fußes und im Kopf den Gedanken, was um alles in der Welt man dieses Jahr Tante Martha schenken kann. Und dann das Lied, dieses Lied. Immer wieder, wenn die Schleife der Endlosbeschallung durchgelaufen ist, wenn die »Weihnachtsbäckerei« und »Dreaming of a White Christmas« ihr Werk getan haben, fängt der nächste Durchgang mit diesem Lied an – »Süßer die Glocken nie klingen«.

Selbst »Kling, Glöckchen, klingelingeling« ist verglichen damit ein theologischer Hochgenuss, immerhin will da im dritten Vers das Christkind noch
»im Herzen wohnen fröhlich,
frommes Kind, wie selig«.

Falls jemand nun den Eindruck hat, dass ich ein etwas angespanntes Verhältnis zur Weihnachtszeit habe, dann kann ich dem nicht guten Gewissens widersprechen.

Mein Mitältester, Thomas, mit dem ich gemeinsam das Gemeindegründungsprojekt in Gladbeck (www.rfk-gladbeck.de) leite, und ich, wir ergänzen uns an vielen Stellen, wir haben unterschiedliche Gaben, unterschiedliche Prägungen, unterschiedliche Schwerpunkte. Aber in diesem Punkt war von Ergänzung wenig zu merken: Als plötzlich und überraschend der Advent über uns hereinbrach, stellten wir im Gespräch fest, dass wir beide ein solches angespanntes Verhältnis zur Vorweihnachtszeit haben.

Wir können mit dieser Weihnachtsseligkeit wenig anfangen, nicht nur »draußen in der Welt«, sondern auch in der Gemeinde. Vielleicht, weil gemeindliche Weihnachtsfeierlichkeiten oft auch überwiegend dazu dienen, die saisonal angezeigte Stimmung und entsprechende Gefühlswelten zu erzeugen. Das ist vermutlich nicht überall so, aber so haben wir es oft erlebt.

Was tun? Die Feiertage so weit wie möglich ignorieren, aushalten, aussitzen, ist eine verführerische Handlungsoption.

Wir glauben, es ist die falsche. Der christliche Jahreskreis hat seinen Sinn. Wenn wir uns darauf einlassen, dann führt er uns durch die Eckdaten von Gottes Heilshandeln: Sein Kommen in diese Welt; sein Leiden, sein Sterben, seine Auferstehung; die Gabe des Heiligen Geistes, um nur die hohen Feste zu nennen.

Und deshalb wollen wir Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Wir wollen diese Feste feiern. Wir wollen darüber predigen. Wir wollen als Gemeinde miteinander und auch im Gebet zu Gott darüber sprechen, was er getan hat, als historische Tatsache, fest zu verorten in der Zeit; und darüber, was es uns bedeutet, was es mit uns macht und machen soll, ganz persönlich.

Wir werden aktiv nach Wegen suchen, unseren Mitmenschen von der wahren Bedeutung dieser Feste zu erzählen. In diesem Jahr, wenige Wochen nach dem Beginn der Gemeindearbeit, werden wir noch nicht in organisierter Form auf dem örtlichen Weihnachtsmarkt präsent sein, aber wir wollen Augen und Ohren offen halten und beobachten, welche Handlungsmöglichkeiten wir jetzt schon für das kommende Jahr erkennen können.

Wir wollen Weihnachten zurückhaben, denn es gehört uns. Uns, der Kirche Christi, in all ihren Ausprägungen, an allen Orten. Das Fest gehört uns, die wir glauben und gewiss sind, dass dieser Gott, der da als Mensch geboren wurde, Schuld vergibt und neues Leben schenkt.

Und die Botschaft von diesem Gott-Menschen gehört nicht nur uns. Er hat sich dahin gegeben zur Erlösung für viele. Allen sollen wir das predigen, und viele werden noch zu ihm kommen.

Wenn ich darüber nachdenke, bin ich doch emotional angerührt, ganz egal, ob mit oder ohne Tannenduft.

Nächsten Sonntag singen wir als erstes Lied »Tochter Zion«.

Euer Bernd Hermes

 

Von | 2017-08-07T11:53:05+00:00 09.12.2016|Neuigkeiten|